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FUKS • FORUM FÜR UMWELT, KULTUR UND SOZIALES E. V.

Thema: Pflanzenöl


Der folgende Beitrag entstammt der Informationsreihe "Modellregion Pflanzenöl", 1. Auflage Nov. 1999. Hrsg.: Verein "Natur- und Lebensraum Rhön".

Salatöl im Tank
Unsere heutigen Motoren werden nahezu ausschließlich mit Benzin und Diesel angetrieben. Der Rohstoff ist Erdöl. Die Ressourcen dieses überaus wertvollen Rohstoffes, der auch in der Medizin, bei der Kunsstoffgewinnung und vielen anderen Bereichen eine wichtige Rolle spielt, ist aber endlich. Die Vorräte des Erdöls werden in wenigen Jahrzehnten aufgebraucht sein!
Dem Klima droht Gefahr von den Oxydationsprodukten, die bei der Verbrennung von Erdöl entstehen.
Der Verbrauch dieses fossilen Energieträgers hat für das Weltklima zu einem gefährlichen Anstieg des Treibhausgases CO2 geführt. Die Vernunft gebietet uns, jeglichen weiteren CO2-Ausstoß durch fossile Energieträger zu vermeiden.
Eine mögliche und bereits praxisreife Alternative ist die Verwendung von Pflanzenöl als Ersatz von Dieselkraftstoff.
Rudolf Diesel stellte 1900 auf der Weltausstellung in Paris den nach ihm benannten Dieselmotor vor. Er wurde damals mit Erdnussöl betrieben.

Die heutige Rückbesinnung auf Pflanzenöl eröffnet neue Zukunftsperspektiven als Kraftstoff für Verbrennungsmotoren.
Der Anbau von Ölfrüchten zur Treibstoffgewinnung, der Betrieb von Ölmühlen sowie der regionale Einsatz von Pflanzenöl schafft Arbeitsplätze , ist CO2-neutral und umweltfreundlich.
Damit entspricht der Einsatz von Pflanzenöl-Treibstoff den Zielsetzungen des Biosphärenreservats und dient einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Entwicklung ganz im Sinne der Agenda 21!

Was ist Pflanzenöl?
Weltweit wachsen ca. 400 verschiedene Ölpflanzenarten. Die ölhaltigen Früchte wachsen unter und auf der Erde, auf Sträuchern und auf Bäumen. Typische bewährte Ölpflanzen in Deutschland sind z. B. Sonnenblume, Senf, Raps und Öllein. Aus den Früchten dieser Pflanzen kann reines Pflanzenöl gewonnen werden.
Bei Raps lassen sich aus der Saaternte eines Hektars ca. 1000 l Öl und 2000 kg Presskuchen erzeugen.
Der Raps ist in unserer Klimaregion die leistungsfähigste Ölpflanze.

Technische Einsatzgebiete
Pionier dieser Entwicklung ist Ludwig Elsbett mit einer eigenen Motorenreihe, die er in den 80er Jahren entwickelte.
Anfang der 90er Jahre gelang den Vereinigten Werkstätten für Pflanzenöltechnologie in Bayern der Umbau serieller Dieselmotoren auf reinen Pflanzenölbetrieb.
Auch in Blockheizkraftwerken ist nach einer technischen Nachrüstung der Einsatz von Pflanzenöl möglcih.

 

Die technische Umrüstung
Durch Eingriffe in Motor, Einspritzsystem, Kraftstoffkreislauf und Motorsteuerung kann auf reinen Pflanzenölbetrieb umgerüstet werden. Jederzeit kann aber in diesen umgerüsteten Fahrzeugen auch wieder Diesel gefahren werden. Der Kaltstart ist bis zur Fließgrenze des Kraftstoffs (ca. - 15°) möglich. Bei tieferen Temperaturen sollte man Winterdiesel zu mischen.

 

Aufbau einer Ölmühle
Ziel der Arbeitsgemeinschaft Pflanzenöl und des Biospärenreservats ist es, eine eigene Ölmühle und somit einen regionalen Wirtschaftskreislauf auf Basis des Pflanzenöles zu begründen. Ölmühlen haben in der Rhön eine lange Tradition. Bis in die Nachkriegsjahre versorgten sie die Menschen mit den benötigten Ölen.
Landwirte in der Rhön konnten die von ihnen angebauten Ölfrüchte direkt einer örtlichen Ölmühle zu führen.

Diese würde hieraus Öl und Presskuchen, ein Nebenprodukt des Pressvorgangs, gewinnen. Der Presskuchen ist ein hochwertiges Eiweißfuttermittel. Er findet in der Bullen- und Schweinemast sowie der Milchviehhaltung Verwendung.
Rhöner Presskuchen kann so unnötige Transporte von Futtermitteln (z. B. Soja oder Tapioka) aus Übersee vermeiden helfen. Dies gilt auch für Futtermittelimporte nicht definierter Qualität.
Dem Verbraucher dagegen käme das hochwertige Pflanzenöl als Energieträger zugute. Damit würde im Rahmen eines regionalen Wirtschaftskreislaufs das Geld in der Region verbleiben.
Landwirtschaftliche Betriebe könnten gesichert, Arbeitsplätze geschaffen und die Kulturlandschaft Rhön erhalten werden.

 

Wirtschaftlichkeit
Die mit dem Aufbau einer Ölmühle verbundenen erheblichen Investitionskosten können erst dann getätigt werden, wenn ein Mindestbestand an Pflanzenölmotoren in der Region betrieben wird.
Bis zu diesem Zeitpunkt wird der Bedarf an "Naturdiesel" über bereits bestehende Ölmühlen sicher gestellt. Dabei liegt der Preis für den Liter Pflanzenöl bei ca. 1 DM.

Mit jeder Preis- und Steuererhöhung von Diesel/Benzin verbessert sich die Wirtschaftlichkeit.

 

Ökologische Vorteile und Sicherheit
Die Nutzung regenerativer Energieträger aus nachwachsenden Rohstoffen hat den Vorteil, dass sie CO2-neutral sind. Bei ihrer Verbrennung wird nicht mehr Kohlendioxyd frei gesetzt als zuvor von der Pflanze während ihres Wachstums aus der Atmopsphäre auf genommen wurde.
Durch kurze Transportwege könnten der Atmosphäre weitere Schadstoffe erspart werden.
Pflanzenöl enthält kein Blei und ist schwefelfrei.
Der Rußausstoß wird deutlch reduziert. Der Flammpunkt des Pflanzenöls liegt bei ca. 300° C und erweist sich von unschätzbarer Sicherheit bei Unfällen.
Die Tatsache, dass Pflanzenöl zudem nicht wassergefährdend ist, ermöglicht eine problemlose Kraftstofflagerung.

Die private Tankstelle in der eigenen Garage kann damit zur Realität werden.

 

Aufgaben und Ziele der "Arbeitsgemeinschaft Pflanzenöl"
• Aufbau einer Modellregion für Pflanzenöl im Biosphärenreservat Rhön
• Anlage und Betreuung von Versuchsfeldern zur Erprobung von Ölsaaten
• Anwerbung von Vertragslandwirten für Ölsaatenanbau und Presskuchenverwertung
• Aufbau eines Pflanzenölversorgungsnetzes
• Aufbau einer Umrüstungs- und Betreuungswerkstatt in der Region
• Beratung bei der Fahrzeugwahl und den Möglichkeiten zur Umrüstung auf den zusätzlichen Betrieb von Pflanzenöl
• Börse für bereits umgerüstete Fahrzeuge
• Durchführung und Mithilfe bei Vortrags- und Fachveranstaltungen
• Zusammenstellung von Fahrzeugkontingenten zur Reduzierung der Umrüstungskosten
• Zusammenarbeit mit Wissenschaft, Behörden und Umweltverbänden
• Zusammenarbeit mit dem örtlichen Stromversorger
• Aufbau einer Ölmühle in der Region

Weitere Informationen erhalten Sie bei:

Arge Pflanzenöl
Dipl. Ing. (FH) Jürgen Klose
Mittelstraße 25
36132 Eiterfeld-Leibolz
Tel/Fax 06672/3 26

oder

Hessische Verwaltungsstelle
Biosphärenreservat Rhön
Groenhoff-Haus
Wasserkuppe
D-36129 Gersfeld
Tel. 06654/9 61 20
Fax 06654/96 12-20
www.biosphaerenreservat-rhoen.de
email: vwst@biosphaerenreservat-rhoen.de