Der
Treibhauseffekt ist eine Tatsache.
Er
wurde zum ersten Male bereits 1896, also vor mehr
als 100 Jahren, von dem schwedischen Physiker
und Chemiker Arrhenius in einer wissenschaftlichen
Arbeit beschrieben. Er berechnete, dass eine Verdoppelung
der atmosphärischen CO2-Konzentration
eine durchschnittliche, weltweite Temperaturerhöhung
um 4 -6 Grad Celsius bewirken würde.
Nach 1946 begannen exakte Messreihen zur Feststellung
der CO2-Konzentration. Die Ergebnisse
von Mauna Loa auf Hawaii, wo es keine Störungen
durch lokale Einflüsse gibt, sind ein Beweis
des tatsächlichen Konzentrationsanstieges.
Die
Korrelation zur irdischen Durchschnittstemperatur
wurde belegt durch Tiefbohrexperimente der damaligen
sowjetischen Antarktisstation Vostok. In Zusammenarbeit
mit einem französischen Forscherteam wurden
die Bohrkerne von Bodenschichten analysiert, deren
Alter lageentsprechend den aufeinanderfolgenden
Erdperioden zugeordnet werden konnte. Die im Eis
eingeschlossenen Luftblasen wurden nach der Methode
des Schweizer Klimatologen Paul Oescher untersucht.
Die Ergebnisse führten zur "Vostok-Sensation":
Eine unerwartet präzise Korrelation zwischen
Temperatur und CO2-Gehalt der Luft
wurde zur Gewissheit.
In
ihrem ersten Bericht an den Club of Rome 1972
prognostizierten die Autoren Meadows u.a. eine
CO2- Konzentration von 365 ppm für
die Zeit um das Jahr 1995. Die tatsächlich
gemessenen Werte lagen im gleichen Jahr wirklich
auf diesem Niveau!
Alle
Untersuchungen der letzten Jahre bestätigten
den verhängnisvollen Trend. Eine weltweit
anerkannte Expertengruppe, das International Panel
of Climate Change (IPCC), erwartet einen global
durchschnittlichen Temperaturanstieg um ca. 3
Grad bis zum Jahre 2100.
Das
zu erwartende Klima wird heute mit Hilfe von
komplexen physikalischen Modellrechnungen und
leistungsstarken Computern errechnet. Dabei
wird der große Einfluss der Ozeane durch
gekoppelte Atmosphäre-Ozean-Modelle berücksichtigt.
Die Ergebnisse können als vertrauenswürdig
gelten.
Wir haben bereits heute ein doppeltes Bild der
Klimazukunft klar vor Augen:
- die
starken Veränderungen, die sich bereits
deutlich erkennbar ausbreiten und
- die Verschärfung der Probleme in überschaubarer
Zukunft.
Der
größte Rückversicherer der Welt,
die Münchner Rückversicherungsgese1lschaft,
registriert den effektiven Eintritt der Veränderungen
durch genaue Erfassung der Schadenshäufigkeit
und ihrer Ursachen.
Nach einer kurzen Entspannung in den vergangenen
zwei Jahren wurden 1998 insgesamt 8 große
Naturkatastrophen registriert, die diese Kriterien
erfüllten.
Der
Flächenanteil des Waldes als grüner
Lunge für den Lufthaushalt ist weltweit von
36 % auf 23 % zurückgegangen !
Die
Verbrennung fossiler Energieträger hat den
CO2- Anteil der Atmosphäre in
den letzten 100 Jahren um
25 % erhöht! Andere Spurengase wie Methan
und Stickoxide nehmen noch rascher zu!
Das
Jahr 1988 war das wärmste in seiner globalen
Mitteltemperatur seit 130 Jahren, seit dem Beginn
der Wetteraufzeichnungen! Alle folgenden Jahre
haben bis heute den Temperaturanstieg noch übertroffen!
Der
Anstieg der Meeresspiegel hat im vergangenen 20.
Jahrhundert bereits den Wert von 10 cm erreicht.
Für die nächsten 50 Jahre gilt ein weiterer,
also zusätzlicher Anstieg um 60 cm als sehr
wahrscheinlich !
Das
sind Tatsachen, die - bis auf den künftigen
Meeresspiegel - bereits vermessen sind. Sie sind
unwiderlegbar und zu ihnen passt das Bild der
tatsächlichen Wetterentwicklung.
Die
Analyse der "großen Naturkatastrophen",
und das sind die Ereignisse, die mit über
1.000 Toten und über 100.000 Obdachlosen
enden, zeigt eine Verdreifachung in den letzten
10 Jahren gegenüber den 10 Jahren von 1960
bis 70. Eine Zunahme also von 300 % ! Um 900 %
nahmen die volkswirtschaftlichen Schäden
zu und der Anstieg der Versicherungsschäden
erreichte monströse 1500 %!
Wir
können uns nicht richtig vorstellen, was
ein Temperaturanstieg von "nur" 3 Grad
im globalen Durchschnitt bedeutet!
Zu
einem sehr realistischen Vergleich bietet sich
unsere Körpertemperatur an: Sie beträgt
beim Gesunden 36,5 Grad. Mit "nur" 3
Grad mehr, mit 39 Grad Bluttemperatur sind wir
krank, nicht mehr leistungsfähig und liegen
zu Bett!
In
der Natur spielen geringe Zahlen oder Mengen eine
erhebliche Rolle. Abweichungen, die uns zunächst
unwichtig erscheinen, führen zu gewaltigen
Veränderungen. Wieder ist unser eigener Körper
das beste Beispiel: Hormone und Enzyme steuern
wichtigste Lebensfunktionen im Bereich weniger
Milligramm, Abweichungen von Bruchteilen lassen
uns ernsthaft erkranken. Fahruntüchtigkeit
wird bereits mit einem halben Tausendstel Blutalkohol
erreicht.
Bei
einem solchen Vergleich dürfen wir nicht
die Anpassungsfähigkeit eines Lebewesens
mit dessen inneren Steuermechanismen verwechseln.
Natürlich ist der Mensch in der Lage, innerhalb
weniger Stunden seinen Lebensbereich zum Beispiel
aus dem deutschen Winter in tropische Temperaturzonen
zu verlegen. Der Mensch ist als in sich geschlossener
Organismus sehr umstellungsfähig. Sein inneres,
biologisches Regelwerk aber, welches unter anderem
diese Anpassung ermöglicht, bleibt unter
allen Bedingungen streng auf nahezu feste Werte
eingestellt.
Genauso
ist unsere Umwelt zu sehen: Das Klima ist das
Ergebnis zahlreicher Faktoren. Neben Umlaufbahn
um die Sonne und Neigung der Erdachse ist die
Sonnenstrahlung der wichtigste Klimamotor. Sie
liefert das 20.000fache der Energie, die sämtliche
Kraftwerke der Erde produzieren können.
Dieser
Energieeinfluss auf die Gashülle des Planeten
führt zu den vertikalen und horizontalen
Luftbewegungen, die über Temperatur, Niederschlag
und Wind entscheiden. Wie dieser Sonneneinfluss
auf die Atmosphäre sich aber auswirkt, das
hängt von nur geringfügigen Änderungen
der Zusammensetzung der Lufthülle ab. Sie
besteht zu 78 % aus Stickstoff, zu 21 % aus Sauerstoff
und zu 0,9% aus dem Edelgas Argon. Zusammen sind
das 99,9 %, die aber mit zunehmender Erwärmung
nichts zu tun haben. Allein jenes letzte Tausendstel
der Atmosphäre besteht aus Kohlendioxid,
Ozon und Methan, jenen Gasen - Spurengasen -,
deren Menge über Erwärmung oder Abkühlung
entscheiden. Hier begegnen wir wieder dem Phänomen
in der Natur, dass entscheidende Einflüsse
aus geringsten Potenzen hervorgehen können.
Diese
Mengenverhältnisse vor Augen muss uns einfach
klar werden, dass die von Haushalten, Verkehr
und Industrie ausgehenden CO2-Mengen
gewaltig sind, übermächtig im Verhältnis
zu dem einen entscheidenden Tausendstel der Luft.
Lassen
wir uns also von kleinen Zahlenwerten nicht täuschen
über die immensen Ausmaße der Folgen!
Auswirkungen der Atmosphärenerwärmung
auf das Sturmrisiko
Nicht
nur die Lufthülle der Erde erwärmt sich
spürbar, auch die Temperatur der Weltmeere
steigt an. Das bedeutet einen intensivierten Energieaustausch
und Verstärkung der vertikalen Umlagerungsprozesse.
Sie sind die Grundlage für Gewitter, Hagelstürme,
Tornados und Orkane.
Im
Januar und Februar 1990 zog eine Serie von insgesamt
8 Winterstürmen über West- und Mitteleuropa
hinweg und verursachte hier den größten
Sturmschaden aller Zeiten. Von dem volkswirtschaftlichen
Gesamtschaden in Höhe von rund 25 Mrd. DM
entfällt auf die Versicherungswirtschaft
wegen der hohen Versicherungsdichte in den betroffenen
Ländern ein Anteil von voraussichtlich über
17 Mrd. DM. Das ist mehr als das Doppelte dessen,
was Hurrikan "Hugo" als nur kurzzeitiger
Rekordhalter gekostet hat.
1 31.01. -02.02.53 "Holland"-Orkan
2 02.01. -04.01.76 "Capella"
3 15.10. -16.10.87 "Westeuropa"-Orkan
(= Cat. 87J)
4 25.01. -26.01.90 "Daria" (= Cat. 90A)
5 03.02. -04.02.90 "Herta" (= Cat. 90D)
6 25.02. -27.02.90 "Vivian" (= Cat.
90G)
7 28.02. -01.03.90 "Wiebke"
Die Namen der Orkane stammen vom Institut für
Meteorologie der Freien Universität Berlin,
die Katastrophennummern vom Londoner Versicherungsmarkt
Quelle: Münchener Rück, "Sturm",
1990
Es
ist absehbar, dass sowohl ihre Häufigkeit
wie auch ihre Intensität immer weiter zunehmen
werden. Die Sturmaktivitäten sind direkt
mit der Wassertemperatur gekoppelt: Wird der kritische
Wert von 27 Grad C erreicht, beginnt die Entwicklung
von Sturm mit Hurrikan- Charakteristik.
Genaue
Messungen aus dem Pazifik belegen, dass dort die
Gebiete mit der kritischen Temperatur und darüber
in den letzten 2 Jahrzehnten, also erst seit 1980,
um ein Sechstel der Fläche zugenommen haben.
Für den karibischen Raum kann als sicher
gelten, dass dort in weiteren nur 20 Jahren eine
Zunahme des Schadenspotenzials um mehr als 50
% stattfinden wird.
Wir
erleben gegenwärtig die vielzitierte industrielle
Globalisierung. So neu ist sie aber nicht. Seit
Jahrzehnten wächst die Weltwirtschaft zusammen
- und damit die gegenseitige Abhängigkeit
geografisch weit voneinander entfernter Wirtschaftsgebiete.
Klimaschäden
treffen uns in Deutschland auch dann, wenn sie
in anderen Erdteilen entstehen. Die Gefährdung
der schon jetzt exponierten Bevölkerungszentren
und Industriegebiete an den Nordostküsten
der USA, Australiens und Neuseelands, ebenso in
ganz Japan, nimmt zu und trifft die gesamte, wirtschaftlich
verbundene Welt.
Die
Anzeichen für die künftige Entwicklung
von Hurrikanen an westeuropäischen Küsten
und im Mittelmeerbereich häufen sich. Zu
diesen Vorzeichen zählt das zunehrnende Auftreten
von "explosiven" Tiefdruckentwicklungen,
die jeder Vorhersage davonlaufen, wie es am 2.
Weihnachtstag 1999 in Frankreich, der Schweiz
und in Süddeutschland geschah. Die Schäden
in diesen dichtbesiedelten und industriell aktiven
Gebieten sind enorm.
Die
höheren Temperaturen und die stärkere
Zirkulation im Luftmeer führen auch allgemein
zu höheren Niederschlägen, mit Ausnahme
der subtropischen Regionen, wo eher eine Ausdehnung
der Trockengebiete wahrscheinlich ist.
Auswirkung auf das Überschwemmungsrisiko
Grundsätzlich gilt auch hier: Klimazonen
werden sich verschieben und in der Zunahme von
Extremen dokumentieren. In Europa sind ansteigende
durchschnittliche Wintertemperaturen zu erwarten
mit der Folge weiter zunehmender Winterniederschläge.
Dabei ist schon gegenwärtig die Starkregenneigung
zu beobachten. Bei einem Rückgang an Regentagen
nehmen die Regenmengen wolkenbruchartig zu. Das
Sturzflut- und Überschwemmungsrisiko ist
außerhalb des Sommers gefährlich erhöht.
Die
alpinen Gletscher haben bisher 30 % ihrer Fläche
und ca. 50 % ihres Volumens verloren. Wer kann
Zeichen diesen Ausmaßes übersehen?
Um das Jahr 2050, also in naher Zukunft, etwas
mehr als einem halben Menschenleben, werden die
Alpengletscher verschwunden sein. Damit ist dann
ein wichtiges Süßwasserreservoir für
Mittel- und Südeuropa verloren.
Das
bedeutet gewaltige, oft plötzliche Wasserabgänge
der in den Alpen entspringenden Flüsse im
Winter und dürftige Wasserführung im
Sommer. Die negativen Auswirkungen auf Landwirtschaft,
Wasserversorgung und Schifffahrt treffen uns spürbar.
Die
Sommer in Europa werden deutlich heißer,
die Niederschläge - wie erwähnt - extremer.
Die landwirtschaftliche Produktion leidet abwechselnd
unter Dürre und Überschwemmung mit Bodenerosion.
Waldbrände vernichten in Dürreperioden
wertvolle klimaregulierende Substanz bei gleichzeitiger
Freisetzung zusätzlicher CO2-Mengen.
Von
allen Naturereignissen sind Überschwemmungen
die global häufigsten.
Sie fordern die meisten Todesopfer und verursachen
die größten volkswirtschaftlichen Schäden.
Die
Schäden der Klimaänderung -
Hypothek für die Wirtschaft und den Wohlstand
Aller
In allen Industriestaaten hat sich der Einzelne
ebenso wie die Unternehmen und Institutionen durch
Versicherungen gegen die Nachteile unerwarteter
Ereignisse geschützt. Daraus aber ist eine
neue Gefahr unbemerkt erwachsen, der Glaube, gegen
mehr oder weniger alles gewappnet zu sein. Das
hat unser Risikobewusstsein ebenso gemindert,
wie unser Glaube an die technische Macht des Menschen.
In beiden Punkten werden wir die bisher gewohnten
Denkweisen aufgeben müssen.
Es
gibt keine technischen Mittel, die uns vor Klimaeinflüssen
bewahren können. Und es gibt auch keine Versicherungen,
die auf Dauer die finanziellen Einbußen
in den zu befürchtenden Dimensionen tragen
können. Die Prämien für die versicherten
Risiken werden eines Tages unbezahlbar sein und
damit wird jede Volkswirtschaft in hohem Maße
verwundbar.
Verschlimmernd
wirkt die weltweite Verstädterung. Nach Angaben
der Vereinten Nationen ist die Zahl der Millionenstädte
von 83 im Jahre 1950 bis heute auf das Vierfache,
auf 325 gestiegen.
Große Städte verursachen aber eine
Verschärfung der in der Natur entstehenden
Gefahren:
·
Die Aufheizung ist in der Stadt größer,
die Gesundheitsgefahren steigen
·
Im Winter entstehen Inversionswetterlagen, Atemwegserkrankungen
und Allergien werden noch mehr zunehmen
·
Die Gewitterhäufigkeit nimmt durch thermische
Konvektion über den heißen Städten
zu,
Starkregen mit Überschwemmung, Blitzschlag
und Brand, Hagelschäden an Gebäuden,
Fahrzeugen und Versorgungseinrichtungen legen
das Wirtschaftsleben zeitweise lahm und kosten
gewaltige Geldsummen.
Das
mögliche Schadensausmaß extremer Naturkatastrophen
in einer der großen Städte oder Industriebereiche
liegt nach seriösen Einschätzungen der
Versicherungswirtschaft bereits in einer Größenordnung,
die
"...
den Zusammenbruch des Wirtschaftssystems ganzer
Länder zur Folge haben kann und möglicherweise
sogar die Finanzmärkte auf der ganzen Welt
in Mitleidenschaft ziehen kann. "
(Jahresrückblick
Naturkatastrophen, Münchener Rück, 1996)
Das
Wirtschaftsgefüge der Welt ist am Beginn
des dritten Jahrtausends in scharfen Wettbewerb
eingebunden. Die erdumspannenden Fusionen und
Verflechtungen sind Ausdruck eines harten Kampfes
um Kostenvorteil, Produktivität, soziales
Balancieren und die Stellung im Markt. In einer
derart angespannten Situation zwischen Vorteil,
Gewinn und Risiko wirken die klimatisch unberechenbaren
Faustschläge der Natur wie Sprengsätze.
Zumindest lokal können in Gewerbe, Industrie
und Landwirtschaft Standorte ausfallen, deren
Ersatz, wenn nicht unfinanzierbar, dann so teuer
wird, dass die Folgen bis in den Lebensstandard
auch der Industrieländer hineinwirken.
Das Leiden der betroffenen Menschen wird uns bald
viel näher und viel häufiger vor Augen
treten. Wollen wir untätige Zuschauer sein?
Nur abwarten, was kommt? Keine Flucht ist möglich
- nur eine Änderung unseres Verhaltens kann
Schlimmeres abwenden.
Das
nächste Jahrhundert muss, soll und kann zum
Säkulum der Einsicht und der kritischen Vernunft
werden. Lenken wir doch unseren ganzen Willen
und unsere erwiesene Intelligenz auf die Ziele
der Sicherung von elementaren Lebensgrundlagen!
Wir
haben vieles falsch gemacht, aber auch Wissen
und Fähigkeiten erworben, um unserer Geschichte
einen neuen Lauf zu geben.