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FUKS
FORUM FÜR UMWELT, KULTUR UND SOZIALES
E. V.
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Ergänzende
Beiträge
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Naturkatastrophen
und Klimaänderung
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Befürchtungen
und Handlungsoptionen der Versicherungswirtschaft
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Dr.
Gerhard Berz
Münchener Rückversicherungsgesellschaft
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Die Versicherer auf der ganzen Welt registrieren
in den letzten Jahrzehnten eine drastische Zunahme
der Katastrophenschäden. Natürlich gibt
es heute mehr Menschen auf der Erde (doppelt so
viele wie noch in den Fünfziger Jahren) und
sie ballen sich immer mehr in Großstädten
(viermal so viele wie 1950, in der Dritten Welt
sechsmal so viele), die zudem überwiegend in
hochexponierten Regionen, vor allem entlang der
Küsten liegen. Aber diese Verände-rungen
reichen nicht aus, um den Anstieg der Zahl großer
Natur-katastrophen auf das Dreifache innerhalb von
vier Jahrzehnten, die Verachtfachung der von ihnen
verursachten Schäden (schon inflationsbereinigt)
und die sogar
16mal höheren Schadenbelastungen der Versicherer
zu erklären. Hier
muss man die zweifellos gestiegene Katastrophenanfälligkeit
der hochentwickelten Industriegesell-schaften (die
Erdbeben-katastrophe von Kobe 1995 war ein überzeugendes
Beispiel) berück-sichtigen und kommt heute
auch nicht mehr an den immer zahlreicheren Indizien
für einen zunehmenden Einfluss klimatischer
und anderer Umweltveränderungen vorbei.
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Zwar
werden hier schnell die üblichen Gegenargumente
laut wie "War alles schon mal da" und
"Der Einfluss des Menschen lässt sich
doch nicht beweisen - die Natur bleibt die Stärkere",
aber eines kann man sicher nicht sagen: dass die
Katastrophen "auch nicht mehr das sind, was
sie früher waren". Im Gegenteil: Immer
mehr Beobachtungen und immer fundiertere physikalische
Modellrechnungen belegen, dass viele atmosphärische
und hydrosphärische Vorgänge neuen Extremwerten
zustreben oder, anders ausgedrückt, sich
die Eintrittswahrscheinlichkeiten für bestimmte
Grenzwerte deutlich erhöhen. Mehr Hitzewellen
und Dürren, Stürme und Sturmfluten,
Überschwemmungen, Muren und Hagelschläge
sind die Folge, von der offenkundigen Ozonzerstörung
ganz zu schweigen. Die
Versicherer brechen nun nicht gleich in Panik
aus: Sie bewegen sich mit ihren Risikoeinschätzungen
im allgemeinen auf der sicheren Seite und ein
Großteil ihres Geschäfts ist nicht
besonders katastrophenexponiert. Außerdem
funktioniert der weltweite Risikoausgleich via
Rückversicherung und verschiedene neue Finanzierungsinstrumente
besser denn je, so dass die Versicherer ihre Katastrophenrisiken
weiterhin unter Kontrolle haben und die Versicherbarkeit
auf lange Sicht gesichert erscheint.
Aber
die Versicherungswirtschaft befürchtet natürlich
zu Recht, dass die steigenden Schadentrends allmählich
die Prämienbasis erodieren, da diese der
Schadenerfahrung zwangsläufig hinterherhinkt,
und vor allem, dass in einzelnen Brennpunktregionen
Schadenpotentiale heranwachsen, welche die Versicherungswirtschaft
bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit
belasten können. Die
Versicherungswirtschaft hat im Lauf ihrer Geschichte
eine außerordentliche Anpassungsfähigkeit
an ihr sich ständig veränderndes Risikoumfeld
entwickelt und häufig genug demonstriert,
dass sie auch mit extrem ungünstigen Entwicklungen
fertig werden kann. Aber sie will es natürlich
nicht unbedingt erst dazu kommen lassen, sondern
lieber ihren Einfluss beizeiten für eine
Vermeidung oder zumindest eine Abmilderung solcher
Risikotrends nützen. Dies ist auch der Grund
für ein inzwischen beachtenswertes Interesse
und Engagement der Versicherungswirtschaft für
den Umweltschutz. Sie liefert also nicht länger
nur Argumente, d.h. Schadenfakten, für die
wissenschaftliche und politische Diskussion, sondern
versucht nunmehr, diese Diskussion und die daraus
resultierenden Beschlüsse auch aktiv mitzugestalten.
Vor allem hat sie begonnen, durch eine entsprechende
Gestaltung ihrer Deckungsangebote, also z.B. durch
Rabatte, Selbstbehalte und Ausschlüsse, das
Verhalten ihrer Kunden in diesem Sinne zu beeinflussen,
d.h. diese nicht nur zur Schadenvorsorge, sondern
indirekt auch zu einem umweltfreundlichen Verhalten
zu motivieren.Wir
halten aber nichts von "erhobenen Zeigefingern",
wenn nicht "vor der eigenen Haustüre
gekehrt wird". Deshalb haben zahlreiche Versicherer
begonnen, die Umweltbelastungen zu erfassen, die
von ihrem eigenen Geschäftsbetrieb und ihrem
meist nicht unerheblichen Grundbesitz ausgehen,
und die Rentabilität von geeigneten Gegenmaßnahmen
zu prüfen. Erste Ökobilanzen aus dem
Versicherungssektor liegen vor; sie belegen, dass
umweltschonende Verringerungen des Energie- und
Materialverbrauchs beachtliche Gewinne einbringen
können, und sie lassen sich zudem gut "vermarkten".
Darüber hinaus engagieren sich einige Versicherungsunternehmen
auch in lokalen Agenda-21-Aktivitäten, die
ja gerade in dem städtischen Umfeld, in dem
diese Unternehmen arbeiten, eine nachhaltige Entwicklung
und damit auch die künftige Attraktivität
dieser Standorte sichern sollen.Erheblichen
Einfluss auf die technologische Entwicklung im
Umweltschutz kann die Investmentpolitik von Versicherungsunternehmen
haben, wenn hier, wie immer häufiger zu beobachten,
neben den eher kurzfristigen Renditeüberlegungen
auch ökologische Aspekte Beachtung finden.
Dieses Ziel ist neben zahlreichen anderen in einer
Deklaration enthalten, die eine Reihe von Versicherungsunternehmen
zusammen mit dem U.N. Umweltprogramm (UNEP) zum
Schutz der Umwelt entworfen und unterzeichnet
hat.
In
der Versicherungswirtschaft hat also insgesamt
und weltweit ein Nachdenken - meist sogar schon
ein Umdenken - über die von der Branche in
Form von Schäden besonders hautnah registrierten
Umweltveränderungen eingesetzt. Wenn sie
ihren Einfluss und die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten
voll und dauerhaft ausschöpft, kann sie sich
zu einem bedeutenden Verbündeten der für
den Umweltschutz engagierten Verbände, Behörden
und Industrien entwickeln. Und das sollte für
sie selbst ganz besonders zum Vorteil sein.
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