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FUKS
FORUM FÜR UMWELT, KULTUR UND SOZIALES
E. V.
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Exkursionen
Pflanzenöl
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| 06.10.2001 |
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Pflanzenölbetriebene
Busse
und Pflanzenöl-Tankstelle
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Jura-Werkstätten
e. V.
Werkstätten für Behinderte der Lebenshilfe
Kreisvereinigung Amberg-Sulzbach
Hans-Thoma-Str. 34, 92224 Amberg
Tel. (0 96 21) 7 79 - 0
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Die
pflanzenölbetriebenen Kleinbusse vor dem Start
zu den Exkursionszielen
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Lebenshilfe
fährt voraus -
mit Salatöl im Tank
Seit Juni 2001 fahren 20 Busse
störungsfrei und schadstoffarm in der Region
Amberg
(lra). Wer sich über die Zukunft Gedanken
macht, wird sich vor allem wegen des ständig
steigenden Energieverbrauchs und der damit einhergehenden
Folgen Sorgen machen. Schlagworte wie Luftverschmutzung,
Treibhausgase oder Klimaerwärmung müssen
jeden von uns aufschrecken und zur Suche nach
geeigneten Alternativen anregen. Die Vorstandschaft
der Lebenshilfe, die "Hilfe zum Leben"
zu verantworten hat, hat sich zum Ziel gesetzt,
die Lebensgrundlagen mit guter Luft, sauberem
Wasser und natürlichen, gesunden Lebensmitteln
innerhalb ihrer Einrichtungen zu erhalten. In
diesem Zusammenhang hat man auch den Energieverbrauch
des Fahrdienstes überprüft.
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Insgesamt
werden zur Zeit 20 VW-Busse mit reinem Rapsöl
betrieben, davon zehn Kraftfahrzeuge der Jura-Werkstätten
Fahrdienst e. V. und zehn Kraftfahrzeuge der Lebenshilfe
Fahrdienst e. V.
Auf dem Betriebsgelände existiert eine Tankstelle
mit einem Tankvolumen von 10.000 Litern. Lieferant
ist die Rapsöl-Presse Plankmühle bei
Berching.
Die Busse wurden von drei verschiedenen Firmen
umgerüstet:
Neun Busse von der Firma Wolf,
97508 Untereuerheim/Ufr.
Neun Busse von der Firma Elsbett,
91177 Thalmässing
Zwei Busse von VWP,
Vereinigte Werkstätten für Pflanzenöltechnologie,
90584 Allersberg-Gögglsbuch
Die erste Umrüstung wurde am 23. März
2000 vorgenommen, gefolgt von laufenden Umrüstungen
in den Jahren 2000 und 2001. Von Ende März
2000 bis Ende Oktober 2001 wurden bereits ca.
250 000 km zurück gelegt, wobei der Verbrauch
identisch mit jenem vor der Umrüstung und
kein Leistungsabfall zu verzeichnen ist. Nach
der Umrüstung war das Handling der Fahrzeuge
unproblematisch.
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Die
Mitarbeiter der Lebenshilfe Amberg-Sulzbach holen
mit 75 VW-Bussen Tag für Tag die von ihnen
betreuten behinderten Menschen von zuhause ab
und bringen sie am Nachmittag wohlbehalten zu
ihren Angehörigen zurück. Im Laufe eines
Jahres werden somit nahezu 1,5 Millionen Kilometer
gefahren. Für diese Fahrleistung, die ausschließlich
in der heimischen Region des Landkreises Amberg-Sulzbach
und im Landkreis Schwandorf erbracht wird, verbrauchen
die Fahrzeuge der Lebenshilfe rund 130 000 Liter
Diesel pro Jahr als Treibstoff. Neben anderen
Schadstoffen wird allein dadurch die Luft unserer
Region mit etwa 364 000 Kilogramm CO2
belastet.
Aber es gibt Alternativen: Herr Brühschwein,
Lehrer an der Volksschule in Hirschau, hat die
Mitarbeiter der Lebenshilfe auf sein Projekt "Der
umweltfreundliche Schülertransport"
aufmerksam gemacht.
Denn statt mit Diesel kann ein Auto auch mit Pflanzenöl
fahren! Pflanzliches Öl kann in den verschiedensten
entwickelten technischen Systemen vielfältig
Mineralöl ersetzen. Damit steht dem Menschen
eine CO2-neutrale, nachwachsende
Energieressource zur Verfügung.
Der Preis bei Pflanzenöl liegt derzeit bei
etwa einer Mark pro Liter.
Pflanzliche Öle haben volumenbezogen einen
vergleichbaren Energieinhalt wie Mineralöle,
wobei pflanzliche Öle deutlich mehr Wasserstoff
binden. Verbrennungstechnisch haben pflanzliche
Öle Vorteile. Sie verbrennen bei gleichmäßigerer
Druckabgabe in kürzerer Zeit. Gewinnungs-
und herstellungstechnisch sind pflanzliche Öle
den mineralischen Ölen überlegen. Es
gibt keine Verunreinigungen durch Schwefel und
Schwermetalle.
Der Energiebedarf zur Herstellung von pflanzlichen
Ölen liegt niedriger als bei der Benzin-
und Dieselherstellung. Bei der Verbrennung pflanzlicher
Öle wird nur soviel CO2 an die
Luft abgegeben, wie die Pflanze beim Wachstum
aus der Luft aufgenommen hat. Es gibt somit keine
zusätzliche Belastung, weil dieses CO2
auch bei der Kompostierung wieder freigesetzt
würde.
Die einfach zu handhabende Lagertechnik (Transport,
Tankstelle, Pkw-Tank) spricht eindeutig für
pflanzliche Öle. Toxizität, Wassergefährdung
und Feuergefährlichkeit, bei anderen Kraftstoffen
hoch problematische Themen, sind bei reinem Planzenöl
gleich null.
Das Problem der sehr hohen und auch noch temperaturabhängig
wechselnden Viskosität ist mittlerweile in
allen ihren motortechnischen Auswirkungen beherrschbar.
Das Nebenprodukt der Pflanzenölerzeugung,
der ÖI- oder Presskuchen, ist ein hochwertiger
Eiweiß- und Energieträger, der für
die Ernährung der Menschen und in der Tierfütterung
Verwendung findet. Da das Öl lediglich aus
den chemischen Stoffen C (Kohlenstoff), H (Wasserstoff)
und O (Sauerstoff) besteht, kann Pflanzenöl
ohne Verringerung der Bodenfruchtbarkeit entnommen
und gehandelt werden. Die Ölmühlen sind
vornehmlich am Ort der Ölsaatproduktion.
Dort wird auch der zum Beispiel zur
Fütterung verwendete, eiweißhaltige
Presskuchen benötigt. Beim Anbau der Ölfrüchte
kann man auf eine große Artenvielfalt zurückgreifen.
Diese Informationen haben die Vorstandschawft
der Lebenshilfe Amberg-Sulzbach dazu bewegt, das
Pflanzenöl als Treibstoff in ihren VW-Bussen
zu testen.
Im Sommer 2000 hat die Lebenshilfe Amberg-Sulzbach
sieben VW-Busse von drei verschiedenen Umbaufirmen
auf Pflanzenöltauglichkeit umrüsten
lassen. Nach der Testphase von einem Winterhalbjahr
hat die Vorstandschaft im Frühjahr 2001 beschlossen,
zunächst insgesamt 20 VW-Busse umzurüsten.
Leider gibt es diese nicht in Pflanzenöltauglichkeit
ab Werk, wo die Umrüstung mit geringem Aufwand
durchgeführt werden könnte, somit mussten
die neuen bzw. neuwertigen Busse mit einem Aufwand
von jeweils rund 3500 Mark umgerüstet werden.
Diese Umbaukosten haben sich aber bei einer durchschnittlichen
Fahrleistung von 20000 Kilometern pro Jahr und
einem Preis von 95 Pfennigen pro Liter Pflanzenöl
in etwa drei Jahren amortisiert.
Seit Juni 2001 fahren nun 20 VW-Busse störungsfrei
durch die Region. Die Fahrerinnen und Fahrer berichten
positiv von ihrem "Fritten-Flitzer",
wie sie ihre Fahrzeuge liebevoll nennen. Getankt
wird an der eigenen Tankstelle im Hof der Jura-Werkstätten,
wo ein 10 000 Liter fassender Tank steht. Mit
ihren 20 Fahrzeugen verbrauchen die Mitarbeiter
der Lebenshilfe nun rund 40 000 Liter Diesel weniger.
Die gleiche Menge an Pflanzenöl wird von
der regionalen Landwirtschaft bezogen.
Damit wird ein wertvoller Beitrag geleistet, um
die Wertschöpfung von derzeit 40 000 Mark
der heimischen Landwirtschaft zufließen
zu lassen. Ganz abgesehen davon können die
Landwirte den Rapskuchen (Pressrückstand)
als Futtermittel wieder verwenden. Auf diese Weise
können die Landwirte rund 40 ha Stilllegungsflächen
bebauen und zusätzlich Gewinn schöpfen.
Und die Lebenshilfe-Mitarbeiter fahren mit guten
Gewissen durch die Region, weil sie den unvermeidlichen
CO2-Ausstoß dort hinterlassen,
wo die Ölpflanzen gedeihen und ihn wieder
umwandeln. Getreu dem Motto: "Wir fahren
in der Region, holen den Treibstoff aus der Region,
lassen die Treibstoffkosten in der Region und
sorgen somit für Arbeitsplätze in der
Region."
Landkreis-Zeitung
Amberg-Sulzbach, Ausgabe November 2001
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