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FUKS
FORUM FÜR UMWELT, KULTUR UND SOZIALES
E. V.
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Fachvorträge
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| 06.10.2001,
FH Amberg-Weiden |
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Biogene
Flüssigkraftstoffe
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Pflanzenöl
als Energieträger
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Prof.
Dr.-Ing. Markus Brautsch
Fachhochschule
Amberg-Weiden
"Wenn
auch die Industrie in unseren Breiten auf die
direkte Nutzung der Sonnenenergie verzichten kann,
so rückt doch unausweichlich der Tag näher,
an dem sie aus Brennstoffmangel auf die Leistung
anderer Naturkräfte wird zurück greifen
müssen. Wir zweifeln nicht daran, dass sie
noch lange von der gewaltigen Wärmekraft
der Steinkohle- und Erdölvorkommen profitieren
wird. Aber diese Vorkommen werden sich zweifellos
erschöpfen."
(Augustin Mouchot 1879)
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Prof. Brautsch (Bild oben) im Labor für
Techn. Thermodynamik in der FH in Amberg
Den Exkursionsteilnehmern wird das rapsölbetriebene
Klein-BHKW vorgeführt (Bild unten)
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Prof.
Dr.-Ing.
Markus Brautsch
Studium
der Technischen Physik,
Promotion zum Dr.-Ing. in elektrischer Energietechnik.
Berufl. Tätigkeit als Entwicklungsingenieur
in der BHKW-Technik sowie bei der Planung von
Projekten mit Biomasse u. alternativen Energien.
Professor für Techn. Thermo-dynamik und Energietechnik
an der FH Amberg-Weiden im Studiengang Maschinenbau/Umwelttechnik
seit 1998.
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Dieses
Zitat von Mouchot deutet bereits im Jahre 1879
die zunehmende Verknappung der fossilen Energie-
und Rohstoffreserven an. Es stammt aus einer Zeit,
in der ca. 2 Mrd. Menschen auf der Erde - so viele
wie heute in China und Indien zusammen - gelebt
haben. Die Versorgungsproblematik mit Energie
hat sich seit dem durch ein gigantisches Bevölkerungswachstum
verstärkt.Durch
die massive Nutzung aller fossilen Ressourcen
innerhalb einer kurzen Zeitspanne von ca. 300
Jahren hat sich zudem das Gleichgewicht im Kohlenstoffkreislauf
verschoben. Als Konsequenz ist die CO2-Konzentration
in der Atmosphäre auf fast 400 ppm angestiegen.
Die Folgen einer zunehmenden globalen Erwärmung
sind komplex und haben dramatische Auswirkungen
auf Ökologie und Ökonomie.Um
der Ver- und Entsorgungsproblematik, die mit der
Nutzung fossiler Energiereserven verbunden ist,
entgegen zu wirken, müssen zukunftsfähige
Energiesysteme ökologisch, ökonomisch,
sozial und human verträglich sein.Die
vielfältigen direkten und indirekten Nutzungsvarianten
solcher Strahlungsenergie, die im Überangebot
zur Verfügung stehen, können dem Forderungskatalog
der "Nachhaltigkeit" gerecht werden.
Eine Variante stellt dabei die Nutzung kalt gepresster
Pflanzenöle als Kraftstoff für PKW-Motoren
und Blockheizkraftwerke dar.
Die
Bereitstellungsnutzungsgrade biogener Flüssigkraftstoffe
Während in Mitteleuropa für die Gewinnung
biogener Flüssigkraftstoffe der Anbau von
Winterraps und Sonnenblumen die entscheidende
Rolle spielt, können weltweit eine Fülle
von Ölpflanzen, z.T. auch wesentlich ertragreichere
Ölfrüchte, angebaut werden. Im Hinblick
auf die motorische Nutzung der Kraftstoffe können
Verbrennungsmotoren thermodynamisch modifiziert
und an die physikalisch chemischen Eigenschaften
von kaltgepressten oder vollraffinierten Pflanzenölen
angepasst werden. Eine andere Variante stellt
die chemische Anpassung der Pflanzenöle an
die thermodynamischen Eigenschaften konventioneller
Dieselmotoren durch Umesterung zu Biodiesel dar.
Allen Kraftstoffvarianten wird bezüglich
der motorischen Verbrennung die CO2-Neutralität
bescheinigt. Während der Verbrennung im Motor
wird nur die Menge an CO2 emittiert,
welche zuvor während des Photosyntheseprozesses
aus der Atmosphäre absorbiert wurde. Um
die Frage zu klären, inwiefern nachwachsende
Flüssigkraftstoffe der Forderung nach Ressourcenschonung
effektiv gerecht werden können, ist der zusätzliche
fossile Energieaufwand in den Bereichen der Landwirtschaft
(Saat, Düngung, Biozideinsatz und Ernte),
der Kraftstoffgewinnung (Kaltpressverfahren, Vollraffination
oder Umesterung) sowie des Antransportes zu erfassen
und in Relation zum Heizwert zu betrachten.Der
Bereitstellungsnutzungsgrad beschreibt dabei den
kumulierten fossilen Energieaufwand, welcher in
der Bereitstellung notwendig war, und setzt diesen
in Relation zum Heizwert des Kraftstoffes inkl.
des kumulierten Energieaufwandes.
| g=
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kEABereitstellung
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| kEA
Bereitstellung + Hu |
Die
günstigsten Bereitstellungsnutzungsgrade
von über 80 % weisen kaltgepresste Pflanzenöle
auf, die unter Nutzung von Wirtschaftsdüngern
angebaut wurden und nach dem on-farm-Konzept dezentral
bereitgestellt wurden. Die ungünstigsten
Werte ergeben sich für die Bereitstellung
von Biodiesel mit ausschließlicher Mineraldüngung
im Landbau. Die Bereitstellungsnutzungsgrade fallen
bis nahe an die 50%-Marke. Für die Bereitstellung
eines Liters Biodiesel ist im Äqivalent nahezu
dieselbe Menge fossile Energie aufzuwenden (1).
Die Nutzung biogener Flüssigkraftstoffe
in Blockheizkraftwerken (BHKW)
In
zentral gelegenen Kondensationskraftwerken werden
nur ca. 34% von den eingesetzten Primärenergieträgern
in elektrische Sekundärenergie gewandelt.
Der restliche Energieanteil in Form von Wärme
bleibt ungenutzt. Das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung
beschreibt die wesentlich effektivere gleichzeitige
Nutzung von Strom und Wärme aus einem thermodynamischen
Prozess. Die rationellste Variante der Kraft-Wärme-Kopplung
erfolgt in dezentralen Blockheizkraftwerken mit
Verbrennungsmotoren. Der Gesamtnutzungsgrad kann
hier bis zu 90 % steigen. Im
Rahmen umfangreicher Prüfstandsarbeiten wurden
vielstofftaugliche Blockheizkraftwerke entwickelt,
welche sowohl kaltgepresste Pflanzenöle,
Vollraffinate als auch Biodiesel nutzen können
(2). Das Brennverfahren konventioneller Stationärmotoren
wurde an die veränderten physikalisch-chemischen
Kraftstoffeigenschaften angepasst. Hauptziel aller
Entwicklungsarbeiten war die Verbesserung der
Kaltstarteigenschaften sowie der Verlängerung
der Wartungszyklen. Die Erfassung der elektrischen
und thermischen Wirkungsgrade, der Stromkennzahlen
sowie der spezifischen Kraftstoffverbräuche
zeigt, dass sich alle biogenen Kraftstoffe (kaltgepresste
Rapsöle, Vollraffinate und Biodiesel) gleichermaßen
gut eignen. Die elektrischen Wirkungsgrade steigen
bei Wirbelkammermotoren nahezu deckungsgleich
für alle Kraftstoffe auf 30 % im Vollastbetrieb
an, die thermischen Nutzungsgrade steigen bis
auf 50 % an. In
Summe können mit kaltgepressten Pflanzenölen
die günstigsten Gesamterntefaktoren über
den gesamten Lebenszyklus eines Blockheizkraftwerkes
erreicht werden. Die für die Herstellung,
Nutzung (inkl. Bereitstellung der biogenen Kraftstoffe),
Wartung und Entsorgung des BHKW notwendige Energie
wird über einen gesamten Lebenszyklus der
Anlage bis zu neunmal wieder in Form von Strom
und Wärme bereitgestellt. Die ungünstigsten
Gesamterntefaktoren resultieren aus dam Betrieb
der BHKW-Anlagen mit energieintensiv bereitgestelltem
Biodiesel. Die über einen Lebenszyklus eingesetzte
Energie kann nur zweimal wieder bereitgestellt
werden.
Zusammenfassung
Der global wachsende Energiebedarf wird nur
noch kurze Zeit über die begrenzt vorhandenen
fossilen Energieressourcen zu decken sein. Neben
der Versorgungsproblematik führt die massive
Nutzung fossiler Energien zu einem rasanten C02-Anstieg
in der Atmosphäre. Die damit verbundene globale
Erwärmung hat vielseitige negative ökologische
und ökonomische Konsequenzen. Zukunftsfähige
Energiesysteme müssen ökologisch, sozial,
human und ökonomisch verträglich sein.Kaltgepresste
Pflanzenöle - als eine indirekte Nutzungsvariante
solarer Strahlungsenergie - können weltweit
nach dem on-farm-Konzept mit einfachsten Verfahrenstechniken
kostengünstig bereitgestellt werden. Am Beispiel
der Bereitstellungsketten von kaltgepressten Rapsölen,
Volfraffinaten und Rapsmethylestern erkennt man
den deutlich geringeren Bereitstellungsenergieaufwand
für kaltgepresste Rapsöle. Die Bereitstellungsnutzungsgrade
steigen über 80 % an.Als effektive Energiesysteme
zur Umwandlung biogener Flüssigkraftstoffe
in elektrische und thermische Sekundärenergie
zeichnen sich motorisch betriebene Kleinst-Blockheizkraftwerke
aus. Die eingesetzte Primärenergie wird zu
ca. 30 % in elektrische und zu ca. 50 % in thermische
Energie umgesetzt. Ein speziell entwickeltes Brennverfahren
lässt die Nutzung kaltgepresster Pflanzenöle,
Vollraffinate oder Rapsmethylester in modifizierten
konventionellen Serienmotoren zu. Die Gesamterntefaktoren
liegen zwischen 9 (für den Betrieb mit kaltgepressten
Rapsölen) und 2 (für den Betrieb mit
energieintensiv bereitgestelltem Biodiesel).Da
die Kraftstoffbereitstellung durch bereits vorhandene
Infrastrukturen der heimischen Landwirtschaft
erfolgen kann, werden regional Arbeitsplätze
gesichert. Durch die Nutzung eines heimischen
Energieträgers wird aufkraft lokal gebunden.
Die Verbrennung der Kraftstoffe erfolgt nahezu
schwefelfrei, C02-neutral und ungefährlich
für das Grundwasser. Vor dem Hintergrund
der dargestellten Ver- und Entsorgungsproblematik
mit fossilen Energien können kaltgepresste
Pflanzenöle als Motorkraftstoffe allen Forderungen
der Nachhaltigkeit gerecht werden.
Literatur
(1) Brautsch M. (1997), Eine vergleichende Gesamtenergiebilanz
für Photovoltaik-
Module und Pflanzenöl-Blockheizkraftwerke,
Verlag Software Zukunft
(2) Kooperationsprojekt des Labors für Techn.
Thermodynamik der FH
Amberg-Weiden und der Fa. Weigel Energietechnik,
Hauptstraße 33,
D - 92342 Freystadt
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