Durch
Technik die Umwelt retten
Adrian
Shaw über schottische Erfahrungen und
deutsche Anregungen
Sulzbach-Rosenberg.
(II) Adrian Shaw ist Sachgebietsleiter für
Umwelt und Energie im Amberg-Sulzbacher
Partnerlandkreis "Argyll and Bute".
Er stellte beim Symposium "Nachhaltige
Energie" in einem viel beachteten Beitrag
während der Schlussdiskussion das Energiekonzept
seiner Heimatregion vor. Der Schotte koordiniert
im Rahmen eines Projektauftrages der EU
auch die Zusammenarbeit mit den baltischen
Ländern auf dem Gebiet der regenerativen
Energie. In dieser Eigenschaft war er Teilnehmer
des Weltklimagipfels in Den Haag. Gegenüber
der SRZ äußerte er sich zu den
Aussichten erneuerbarer Energien.
Warum
liegt Schottland bei der Nutzung regenerativer
Energie im europäischen Spitzenfeld?
Shaw:
"Wir nutzen seit 50 Jahren die Wasserkraft
zur Energiegewinnung, weil das in jedem
gebirgigen Land sehr einfach ist. Dann bläst
bei uns ständig ein starker Wind vom
Atlantik her, der sich mit Windrädern
in Strom umsetzen lässt. Und drittens
haben wir jetzt eine neue Technologie entwickelt,
um die Wellenkraft des Ozeans zu nutzen.
Das ist bisher noch nirgendwo anders gelungen.
Die Gewalt der Wassermassen fügt nämlich
jedem Aufbau Schaden zu, und außerdem
ist auch das Meersalz sehr aggressiv."
Können
sie die Rate ihrer umweltfreundlich erzeugten
Energie noch steigern?
Shaw:
"Natürlich, in Argyll könnten
wir leicht 100 Prozent erreichen. Aber es
gibt in Schottland eben auch viel Koh1e
und leicht zu gewinnendes Nordsee-ÖI.
Das bremst die Entwicklung der erneuerbaren
Energien immer noch gewaltig."
Nehmen
Sie von ihrem ersten Besuch im Landkreis
Amberg-Sulzbach Anregungen in Bezug auf
neue Möglichkeiten der Energiegewinnung
mit nach Hause?
Shaw:
"Ich hoffe, dass wir zusammenarbeiten
können, um aus den Potenzialen, die
in unseren beiden ländlich geprägten
Regionen vorhanden sind, das Beste zu machen.
Ich bin zum Beispiel ganz beeindruckt, wie
man hier pflanzliche Öle zur Energiegewinnung
nutzt. Das macht sehr viel Sinn. Auch Holz-"Pellets"
waren für mich total neu. Ich kannte
bisher nur Hackschnitzel. Das beim ATZ-EVUS
entwickelte Biomasse-Heizkraftwerk könnte
in diesem Zusammenhang für uns ebenfalls
interessant sein, da Holz eine unserer Hauptressourcen
ist. Bei Ihnen geht sehr viel vorwärts,
selbst wenn Sie es ,von innen' gar nicht
so wahrnehmen."
Was
ist der Hauptunterschied zwischen Amberg-Sulzbach
und Argy1l and Bute?
Shaw:
"Es regnet hier nicht ständig.
Aber im Ernst: Sie liegen hier im Zentrum
Europas, wir ganz am Rand. Deshalb verfügen
Sie hier auch über einen ganz anderen
Wohlstand. Unser Kapital sind die ganz außergewöhnliche
Landschaft und die immense Vielfalt der
Pflanzen- und Tierwelt. Gerade weil Energie
aus fossilen Brennstoffen für die Umwelt
gefährlich ist, müssen wir nach
neuen Stromquellen suchen. Auch die Auswirkungen
des globalen Klimawechsels treffen uns ganz
anders. Die Winterstürme vom Atlantik
her haben in Schottland erhebliche Schäden
angerichtet. Nicht zuletzt daraus erklärt
sich unser Interesse an umweltfreundlicher
Energie."
Sulzbach-Rosenberger Zeitung, 23. Oktober
2001
Angemerkt
Seitenwechsel
Sulzbach-Rosenberg.
(ll) Ob er beim Symposium denn auch etwas
von dem Fußball-Drama im Fernduell
zwischen Deutschland und England mit bekommen
habe, wollten wir von Adrian Shaw wissen.
Doch die Hoffnung auf einen britischen Originalkommentar
zu diesem Fotofinish zerschlug sich leider.
Der
Schotte interessiert sich nicht für
Fußball, wusste gar nicht, wer gegen
wen gespielt hatte. Vom legendären
,,1:5" hatte er allerdings schon einmal
gehört. "Aber wissen Sie",
schmunzelte Shaw, "das Problem für
uns Schotten dabei ist: Wenn Deutschland
gegen England spielt, halten wir immer zu
Deutschland."
Sulzbach-Rosenberger Zeitung, 23. Oktober
2001