|
|
|
FUKS
FORUM FÜR UMWELT, KULTUR UND SOZIALES
E. V.
|
|
|
Pressemitteilungen
und -berichte
|
|
|
Von
"Fromm´s Renette" bis "Gute
Graue"
|
|
Wanderung
auf dem Obstlehrpfad Dieterskirchen
|
Dieterskirchen. Im Rahmen ihres
Jahresprogramms bot die Umweltstation FUKS eine
Exkursion zum Obstlehrpfad an.
|
|
Michael
Allbang, Dritter Bürgermeister von Dieterskirchen,
begrüßte die Exkursionsleiterin Eva
Müller-Simeth und die Teilnehmer am Ausgangspunkt
des Lehrpfades, der Grundschule in Dieterskirchen.
Ein idealer Auftakt- und Endpunkt für den
Rundkurs: Die Schüler haben in unmittelbarer
Nähe ihrer "Studierzimmer" die
Gelegenheit, Unterricht am "lebenden Objekt"
zu erhalten, den Wechsel der Jahreszeiten an den
Bäumen zu beobachten und von den Früchten
zu naschen.
Im
Jahr 1991 liegen die Anfänge des Projekts,
das im Zuge der Dorferneuerung von der Direktion
für ländliche Entwicklung Regensburg
durchgeführt wurde. Dr. Gilch aus Oberviechtach
führte Bestandsaufnahmen und Vermehrungen
alter Lokalsorten durch, über 40 Dieterskirchener
Bürger stellten Edelreiser zur Verfügung.
1997 wurde der Pfad mit mehr als 350 Hochstamm-Bäumen
und über 100 Sorten eingeweiht. Der Garten-
und Ortsverschönerungsverein hat die Pflege,
wozu der jährliche Schnitt und die Mahd der
Obstwiesen gehören, übernommen, wie
Oskar Chladt vom GOV erklärte. Insgesamt
wurden im Gemeindegebiet über 1000 Obstbäume
gepflanzt. Schon dreimal haben im Ort "Obsttage"
stattgefunden. Das Obst wird mit einer eigenen
Presse entsaftet und in einer eigenen Mosterei
verwertet.
Die Bestimmung alter Sorten gestaltet sich oft
schwierig, weshalb in Dieterskirchen auch ein
Obstwissenschaftler (Pomologe) hinzu gezogen wurde.
Dort, wo es darauf ankam, auch die alten, namentlich
unbekannten Sorten zu "retten" und zu
vermehren, weisen die Sortenschilder keine Namen
auf, beschreiben aber Merkmale wie Haltbarkeit,
Lagerfähigkeit, Standortansprüche, Reife,
Geschmack und Verwendung. Dem Besucher fallen
beim Rundgang die überlieferten, phantasievollen
und ausgefallenen Namen auf wie "Fromms´Renette"
(Apfelsorte), "Gute Graue" (Birnensorte),
"Zum Feldes Frühe Schwarze" (eine
Kirschensorte) oder "Doppelte Philippsbirne"
und bei "Weiße Fliege" handelt
es sich hier nicht um den allseits bekannten Schädling,
sondern um eine Apfel-Hochstamm-Sorte.
Frau Müller-Simeth führte zu den verschiedenen
Themenbereichen, in die sich der Pfad gliedert
und die harmonisch und fast nahtlos ineinander
übergehen. "Bei einem alten Obsthochstamm
hat man einmal 20.000 Insekten gezählt"
wusste sie zu berichten, "unabhängig
von den anderen Tierarten, die eine Streuobstwiese
beheimaten kann, wie Siebenschläfer, Fledermäuse
oder etliche Vogelarten". Überhaupt
hat man bei der Anlage des Lehrpfades auf naturschützerische
Aspekte großen Wert gelegt. In Schulnähe
wird zwar mit einigen wärmeliebenden Arten
wie Essbare Kastanie experimentiert, in einem
eigenen Wiesenstreifen in der Flur mit gängigen
Supermarktsorten wie Gloster oder Golden Delicious,
um deren Entwicklung zu studieren. Hauptsächlich
ging es aber darum, an den Flurwegen wieder Obstbaumreihen
anzupflanzen, so wie sie früher oft zu sehen
waren und dann in den "Hochzeiten" der
Flurbereinigung beseitigt wurden. So ermöglichte
das Umdenken im Zuge des Dorferneuerungsprojekts
auch die Anlage eines Bereichs auf dem Rundweg,
wo Wildobst, Vogelbirne und -kirsche oder Eberesche,
in eine Flurhecke integriert wurden. "Diese
natürlichen Elemente bereichern nicht nur
optisch die Landschaft, sondern bieten auch zahlreichen
Tierarten Unterschlupf und sind deren Nahrungsbiotop,
nicht zuletzt dienen sie der Schädlingsbekämpfung",
erläuterte Frau Müller-Simeth.
Sie gab auch gleich noch Tipps für die Verwendung
der Früchte in der Küche, zum "Einmachen"
in Gläsern, Lagern oder Dörren (Trocknen)
und verteilte als Kostprobe selbst getrocknete
Johannisbeerfrüchte. Das Wildobst enthält
mehr Mineralstoffe als herkömmliches Obst
und schmeckt oft auch besser. Das Hagebuttenmark
aus den Früchten der Hundsrose enthält
auch einen sehr hohen Anteil an Vitamin C.
Sanddorn, Weißdorn, Schlehe und seltene
kultivierte Arten wie Apfelbeere waren weitere
Wegbegleiter, bis man zu einer Beerenobstwiese
gelangte. Auch eine "Apfelkuppe" auf
einer Anhöhe, die licht- und wärmeliebende
Arten beheimatet, gehört zum Lehrpfad. Neben
einer großen Streuobstwiese sind Artenschutzmaßnahmen
besonders deutlich verwirklicht: Ein Totholzbaum
steht neben einem "Insektenhäuschen":
Wildbienen können hier gelöcherte Lehmziegel
oder Rohrbündel als Brutröhren nutzen.
Ein Bienenhaus für Honigbienen, die für
die Bestäubung wichtig sind, wurde gleich
nebenan errichtet.. Unterhalb der zwei- oder dreimahdigen
Wiese (d. h. sie wird zwei- bis dreimal im Jahr
gemäht) befindet sich ein kleiner Weiher,
der für das Kleinklima und die Temperaturregulierung
- Wärmespeicherung - für die Obstbäume
bedeutsam ist. Auf den extensiv genutzten Wiesen
wird selbstverständlich nicht gespritzt und
gedüngt.
Die in Dieterskirchen vorkommenden Sorten wurden
aus Sämlingen und später durch Reiserveredelung
vermehrt und an das jeweilige Lokalklima angepasst.
Die Bäume vertragen die rauhe Umgebung und
sind weniger krankheitsanfällig. Die Früchte
weisen gute Lagerfähigkeit auf oder schmecken
einfach gut. Der Lehrpfad trägt zum Erhalt
der genetischen Vielfalt in der Region bei.
Mit einem Gedicht über die Kirschblüte
beendete Fr. Müller-Simeth die Wanderung
beim Schulhaus. Im Herbst, zur Zeit der Ernte,
wird der Rundgang im Rahmen des Jahresprogramms
der Umweltstation FUKS wiederholt (der genaue
Termin wird noch bekannt gegeben - siehe auch
www.umwelt-fuks.de/Jahresprogramm).
Wer
sich für die große Vielfalt von alten
Sorten (nicht nur Obst, sondern auch Gemüse)
interessiert, der sollte einmal bei Arche Noah,
der oberösterreichischen "Gesellschaft
zur Erhaltung und Verbreitung der Kulturpflanzenvielfalt"
(www.arche-noah.at) vorbeischauen.
Joachim
Schneider, FUKS
19.05.2002
|
| |
 |
|
|
|
|
|