Schon
vor mehr als 1200 Jahren war in der Gegend des heutigen"
Trausnitz" eine dörfliche Ansiedlung.
Wegen
der Gefahr von Überfällen durch die räuberischen
Awaren, einem Reitervolk aus dem Osten, erbauten die Dorfbewohner
des damals vermutlich als Sachsenkirchen oder -hausen bekannten
Dorfes im 8. Jh. den noch heute, in der Dorfmitte, erhaltenen
Sachsenturm. Eine Fluchtburg und das älteste, wehrhafte Gebäude
in der Gegend.
Im
Erdgeschoss wurde das Vieh gehalten. Auf die erste Zwischendecke
stapelte man die Vorräte und im zweiten Zwischengeschoss
wurden Frauen und Kinder geschützt. Die wehr- haften Männer
wachten auf dem flachen Dach, bis die Feinde wieder abzogen.
Da
die Bevölkerung beständig wuchs, erbaute man im 13.
Jh. die Burg, die im Jahre 1261 erstmals urkundlich erwähnt
wurde. Die Fluchtburg war so sicher, dass sie dem Dorf Trausnitz-
"Traust dich nicht" - ihren neuen Namen gab.
Das
starke, nur durch die Eingangspforte zu passierende Mauerwerk
mit den wenigen und kleinen Fensteröffnungen nach außen
- meist noch sehr hoch über dem Boden - ließ Reiter-
Völkern, die keine Brech- und Steigwerkzeuge mit sich führen
konnten, keine Chance einer Erstürmung.
Die
Burg bot ausreichend große Lagermöglichkeiten für
Vorräte und Vieh sowie ein Obergeschoss für den Aufenthalt
der Dorfbevölkerung.
Der
Turm, auch Bergfried genannt, konnte als letzte Fluchtmöglichkeit
nur aus den Räumen des Obergeschosses über die damals
lose auf großen Steinen aufgelegte Brücke erreicht
werden, die man einfach hinter sich in den Burghof warf. Im Mauerwerk
des Bergfrieds eingebaute Nischen, die nur von innen erkennbar
sind, dienten dem Durchbruch aus dem Turm, sobald die Gefahr wieder
vorbei war.
Zwischen
den Jahren 1322 -1325 stand die Burg im Mittelpunkt deutscher
Geschichte.
Nach dem Tod des alten Königs Heinrich VII. wählte die
Versammlung der Fürsten des Heiligen Römischen Reiches
Deutscher Nation einen neuen König.
Die
Wahl fiel unentschieden aus. Sowohl Ludwig IV., genannt der Bayer,
als auch sein Cousin Friedrich III., der Schöne, von Österreich
waren gewählt.
Obwohl
gemeinsam aufgewachsen, entbrannte ein erbitterter Konkurrenzkampf
zwischen den beiden, der am 28. September 1322 in die berühmte
Schlacht bei Ampfing in Niederbayern mündete.
Ludwig
der Bayer besiegte Friedrich den Schönen und nahm ihn gefangen.
Er brachte ihn ins abgelegene Trausnitz, wo damals sein getreuer
Ritter Weigand von Stein herrschte.
Friedrich
der Schöne, ein Habsburger, wurde in das Turmzimmer gebracht
und an vier stabilen, in die Ecken der Decke eingemauerten Ketten
an Händen und Füßen angeschmiedet, so dass er
gerade bis zu den vier Turmfenstern gelangen konnte.
1325
gelang es den Beichtvätern der beiden Gegner, eine Versöhnung
in die Wege zu leiten. Friedrich der Schöne, an Leib und
Seele gebrochen, verzichtete auf das Regieren und der Wittelsbacher
Ludwig der Bayer beendete die Gefangenschaft.
In
der neben dem Sachsenturm erbauten Pfarrkirche, die seither als
Versöhnungskapelle bezeichnet wird, knieten die Vettern vor
dem Altar nieder und versöhnten sich am 13. März 1325.
Beide führten den Titel "König" , aber Friedrich
zog sich als todkranker Mann nach Österreich zurück.
1330 starb er. Ludwig der Bayer regierte bis 1346 als deutscher
Kaiser.
Die
Burg Trausnitz hatte bis vor ca. 400 Jahren die verschiedensten
Ritter und Adligen als Besitzer und Herren.
Lange
waren dies die Grafen Zenger von Zangenstein, deren Wappen auf
die wirtschaftliche Bedeutung der Oberpfalz, als "Ruhrgebiet
des Mittelalters", verweist.
Im
Jahr 1830 kaufte König Ludwig I. die Burg, die noch heute
im Eigentum
des Freistaates Bayern steht.
Bereits
nach dem 2. Weltkrieg wurde in der Burg ein Erholungsheim für
Kinder
und Jugendliche eingerichtet. In den 60er Jahren übernahm
dann das Deutsche Jugendherbergswerk die Trägerschaft.
1997
erfolgte, in Zusammenarbeit des Freistaates Bayern, der Gemeinde
Trausnitz und des deutschen Jugendherbergswerkes eine Totalrestaurierung
der Burg sowie die Erweiterung der Jugendherberge auf das umliegende
Gelände und das benachbarte Feldschlössl.
Heute
bietet sie ihren Gästen modernen Komfort, mit dem besonderen
Ambiente eines historisch bedeutsamen Ortes.
Burgführungen für Gruppen
ab 10 bis 25 Personen,
nach Voranmeldung über die Jugendherberge
Telefon: (0 96 55) 92 15 0
Quelle:
Deutsches
Jugendherbergswerk Landesverband Bayern e.V. Mauerkircherstraße
5
81679 München