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Presseberichte

 


Erneuerbare Energien:
damit das Geld in der Region bleibt

Energiesymposium mit Vorträgen, Exkursionen und Podiumsdiskussion / Kritik an "abrupter Kürzung von Fördermitteln"

SCHWARZENFELD (sfl). Dass der Energiebedarf der Region aus erneuerbaren Energien gedeckt werden kann, ordnete Moderatorin Agnes Eisenreich bei einer Podiumsdiskussion am Samstag Abend im Jugendheimsaal zwar unter die Kategorie Visionen ein. Eine Umsetzung ist aber nach Aussage von Fachleuten unter bestimmten Voraussetzungen machbar. Die Veranstaltung bildete den Abschluss eines zweitägigen Energie-Symposiums der Volkshochschule Amberg-Sulzbach, in dessen Verlauf auch beispielhafte Anlagen in den Landkreisen Amberg-Sulzbach und Schwandorf besichtigt wurden.

Voraussetzung für eine 100-prozentige Deckung des Energiehaushalts durch nachhaltige Energie ist nach Einschätzung des Professors an der Fachhochschule Amberg-Weiden, Dr. Franz Bischof, dass der Verbrauch auf vierzig Prozent des jetzigen Standes gesenkt wird. Diese Menge kann durch Energiegewinnung aus Biomasse, Biogas, Windkraft, Photovoltaik und Kraft-Wärme-Kopplung gedeckt werden. Dieses Szenario fand Zustimmung vor allem von Seiten des Energieexperten der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, MdB Hans-Josef Fell aus Hammelburg in Unterfranken. Dieser betonte, dass die Bundesregierung verschiedene Hilfen zur Verfügung gestellt habe, um dieses Ziel erreichen zu können.Vor allem durch das Erneuerbare Energie-Gesetz (EEG) werde es möglich gemacht, den Einsatz erneuerbarer Energien bis 2010 zu verdoppeln. Für die Region ist dabei nach seinen Worten die Verstromung von Biomasse interessant. Begleitend dazu gebe es eine umfangreiche Palette von Förderprogrammen, etwa für die Landwirtschaft das Programm nachwachsender Rohstoffe. Wesentlich für den Erfolg der Energiewende sei dabei, dass das Informationsdefizit in der Bevölkerung abgebaut werden könne. In ähnlicher Weise argumentierte auch MdL Wolfgang Gartzke (SPD) aus Ansbach. Besonders das Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz sei eine Chance für Kleineinleiter. Auch die Windkraft sei eine Möglichkeit für den Bürger, sich zu engagieren. Leider würden Investoren in Bayern "katastrophal behindert", monierte Gartzke. Die Kommunen sollten doch bedenken, dass jedes aufgestellte Windrad Gewerbesteuer bringe. Gartzke machte eine einfache Rechnung auf: Wenn von den rund 5000 Mark, die pro Person jährlich für den Bezug von Energie aufgewendet werden müssten, nur zehn Prozent in nachhaltige Energien umgeleitet werden könnten, sei das ein gewaltiges Investitionsprogramm für die Region. Vehement setzte sich der Abgeordnete für eine Energieagentur in jedem Landkreis ein. MdL Christian Meißner, für die CSU Stimmkreisabgeordneter für Lichtenfels und Coburg Süd, teilte mit, dass Bayern bereits 3,2 Prozent seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energien gewinne. Der Sprecher wies auch auf Landesförderprogramme hin. Von 295 investierten Millionen seien 230 Millionen Mark als Hilfen gegeben oder durch landeseigene Programme angestoßen worden. Die EU kritisierte der MdL, dass sie zwar die Märkte liberalisiere, in die so genannten weichen Energien aber relativ wenig investiere. Dr. Götz Brühl, Leiter der Stadtwerke Lemgo, stellte das Modell "energreen" vor. Darunter versteht man das umweltentlastende Stromangebot der Stadtwerke Lemgo. Es sei garantiert umweltschonend erzeugt und bekomme das "energreen"-Zeichen nur, wenn es aus folgenden Quellen stamme: Solarenergie, Windkraft, Biomasse, Geothermie und kleinen Wasserkraftanlagen.
Der Anteil der Kraft-Wärme-Kupplung beträgt laut Dr. Brühl etwa 65 Prozent. Die Stadtwerke verkaufen auch Strom in der "energreen"-Mischung, wobei sich die Qualität am Ziel der geringsten Emission messe.
In der Diskussion kritisierte die Geschäftsführerin der Burglengenfelder Firma Schmack Biogas die Kürzung der Zuschussmittel, die noch dazu Hals-über-Kopf verfügt worden sei. Gerade kleine und mittlere Unternehmen bräuchten Planungssicherheit. Ein Vertreter der Stadtwerke Amberg beklagte die "erdrückende Konkurrenz von Billigstrom durch Großanbieter". Professor Bischof erinnerte daran, dass die Gelder, die Jahr für Jahr für den Kauf von Heizöl, Gas und Kohle ausgegeben werden müssten, aus der Region abfließen würden. Beim Einsatz erneuerbarer Energien aber bleibe dieses Geld in der Region. Nach seiner Einschätzung könnten damit schon heute 20 Prozent des privaten Bedarfs gedeckt werden. Das Potenzial für diese Energien sei vorhanden. Der Bundesregierung empfahl der Sprecher, die Ökosteuereinnahmen aus der Region dieser für solche Zwecke wieder zur Verfügung zu stellen

Mittelbayerische Zeitung

Artikel von Hubert Heinzl 9.10.2001